Philipp Schubert über das grüne Gold der Meere: Seegras unser heimlicher Klima-Superheld
Meeresbiologe und Forschungstaucher Philipp Schubert nimmt uns mit auf eine faszinierte Reise in die Ostsee und Nordsee. Er erklärt, warum Seegraswiesen wahre Superhelden des Ökosystems sind, welche Gefahren ihnen drohen und warum der Schutz unserer heimischen Meere dringender ist als je zuvor.
Dauer: 77 Min
Folge: WK#048
Die Rückkehr der Landpflanzen
Vor etwa 60 bis 100 Millionen Jahren – zu einer Zeit, als noch Dinosaurier die Erde bevölkerten – geschah etwas Erstaunliches: Eine Landpflanze wanderte zurück ins Meer. Was klingt wie ein biologisches Kuriosum, ist die Geburtsstunde des Seegrases. Ähnlich wie Wale als „Säugetiere des Meeres“ eine Anpassung vollziehen mussten, entwickelte das Seegras erstaunliche Überlebensstrategien: Es lernte, mit dem Salzgehalt des Meerwassers umzugehen, verzichtete auf klassische Spaltöffnungen und passte seine Bestäubung an das Unterwasserleben an. Unter Wasser blühend, wird es heute unter anderem von kleinen Krebstieren bestäubt – gewissermaßen den „Bienen des Meeres“.
Ökosystemdienstleistungen: Der kostenlose Superheld-Service
Meeresbiologe Philipp Schubert bezeichnet Seegras keineswegs ohne Grund als echten Superhelden. Denn Seegraswiesen erbringen sogenannte Ökosystemdienstleistungen – wertvolle Aufgaben für Umwelt und Mensch, die die Natur vollkommen kostenlos bereitstellt:
- Erhöhung der Biodiversität: Während karge Sandböden kaum Lebensraum bieten, gleichen Seegraswiesen Unterwasserwäldern. Sie bieten Wohnraum, Verstecke und Jagdrevier für eine unzählige Vielfalt an Tieren und Pflanzen.
- Kinderstube für Fischarten: Dorsch, Hering und viele andere Meeresbewohner nutzen das Seegras als geschützte Aufzucht- und Nahrungsstätte.
- Natürlicher Küstenschutz: Durch lange Blätter und dichte Wurzelsysteme dämpfen Seegraswiesen Wellenenergie, mindern den Sandtransport und schützen so unsere Küsten. Ohne sie müssten Küstenschutzmaßnahmen und Deicherhöhungen teuer bezahlt werden.
- Natürlicher Filter & CO2-Speicher: Seegras bindet Nährstoffe sowie Kohlenstoff und lagert diesen natürlich im Meeresboden ein.
Bedrohung und Hoffnung für unsere Meere
Trotz ihrer enormen Bedeutung sind Seegraswiesen stark gefährdet. In der Nordsee führten in den 1930er-Jahren eine eingeschleppte Pflanzenkrankheit (Wasting Disease) sowie die aufkommende Grundschleppnetzfischerei mit Dieselmotoren dazu, dass riesige Bestände vernichtet wurden und sich bis heute kaum erholen konnten. In der Ostsee sind die Bedingungen durch den geringeren Salzgehalt etwas günstiger, doch Eutrophierung (Überdüngerung von unten) und Überfischung (Top-Down-Eingriffe von oben) setzen auch den heimischen Beständen schwer zu. Schubert betont daher, wie wichtig es ist, die Schönheit unserer Heimatmeere zu zeigen – denn nur was der Mensch kennt und liebt, ist er bereit zu schützen.
Der Blogbeitrag beleuchtet das Gespräch mit dem Meeresbiologen Philipp Schubert über die faszinierende Welt des Seegrases. Ursprünglich eine Landpflanze, hat sich Seegras im Laufe der Evolution perfekt an das Meer angepasst. Es erbringt essenzielle Ökosystemdienstleistungen: Es schützt Küsten vor Erosion, dient als biologischer Filter für Nährstoffe und CO2, sichert die Artenvielfalt und fungiert als Kinderstube für zahlreiche Fischarten. Obwohl historische Krankheiten, Grundschleppnetzfischerei und Eutrophierung die Bestände stark geschädigt haben, bieten nachhaltige Schutzmaßnahmen und Aufklärungsarbeit Hoffnung für den Erhalt der Nord- und Ostsee
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